
Kaum ein Dämmstoff ist so verbreitet wie Polystyrol – besser bekannt unter dem Markennamen Styropor. Der Grund ist einfach: Es dämmt gut, ist federleicht, kinderleicht zu verarbeiten und mit 10 bis 20 Euro pro Quadratmeter konkurrenzlos günstig. An den meisten gedämmten Fassaden Österreichs steckt Polystyrol.
Doch der Kunststoff hat zwei Gesichter. Auf der einen Seite das unschlagbare Preis-Leistungs-Verhältnis, auf der anderen die bekannten Schwächen: Es ist erdölbasiert, brennbar, diffusionsdicht und in der Entsorgung problematisch. Und man muss die zwei Varianten auseinanderhalten – das expandierte EPS für die Fassade und das druckfeste, wasserabweisende XPS für den erdberührten Bereich.
Was Polystyrol auszeichnet, worin sich EPS und XPS unterscheiden, wo die Grenzen liegen und was es kostet, klärt dieser Ratgeber – mit Vergleich zu mineralischen Dämmstoffen.
Was ist Polystyrol?
Polystyrol ist ein Dämmstoff auf Kunststoffbasis. Er besteht aus aufgeschäumten Polystyrolzellen, die zu über 90 Prozent aus eingeschlossener Luft bestehen – daher das geringe Gewicht und die gute Dämmwirkung. Man unterscheidet zwei Arten:
- EPS (expandiertes Polystyrol), „Styropor“: die klassische weiße Dämmplatte. Leicht, günstig, gut dämmend – der Standard für die Fassadendämmung.
- XPS (extrudiertes Polystyrol), „Styrodur“: dichter, druckfester und wasserabweisend. Die Wahl für erdberührte und feuchtebelastete Bereiche wie die Perimeterdämmung am Keller.
Beide dämmen sehr gut: EPS erreicht eine Wärmeleitfähigkeit von rund 0,031 bis 0,045 W/(m·K), XPS 0,028 bis 0,042 – schon dünne Schichten bringen also eine spürbare Dämmwirkung.
EPS oder XPS: der entscheidende Unterschied
Welche Variante die richtige ist, hängt vor allem von Feuchtigkeit und Druckbelastung ab:
| Eigenschaft | EPS (Styropor) | XPS (Styrodur) |
|---|---|---|
| Wasseraufnahme | gering | sehr gering (wasserabweisend) |
| Druckfestigkeit | mittel | hoch |
| Preis | günstiger | teurer |
| Typischer Einsatz | Fassade (WDVS), Dach | Perimeter, Kellerwand, unter Bodenplatte |
Kurz gesagt: EPS für die Fassade, XPS für den erdberührten und feuchten Bereich. Die hohe Druckfestigkeit von XPS fängt die Last des Erdreichs an der Kellerwand ab, seine geringe Wasseraufnahme macht es dort unempfindlich gegen Feuchtigkeit.
Die Vorteile von Polystyrol
- Sehr günstig: das beste Preis-Leistungs-Verhältnis unter den gängigen Dämmstoffen.
- Gute Dämmwirkung: schon geringe Dicken erzielen niedrige U-Werte.
- Leicht und einfach zu verarbeiten: lässt sich schneiden, kleben und dübeln.
- Feuchteunempfindlich: besonders XPS nimmt kaum Wasser auf.
- Vielseitig: von der Fassade über das Dach bis zum Keller und unter die Bodenplatte.
Die Nachteile
- Brennbar: Polystyrol ist brennbar. Mit Flammschutzmittel gilt es als schwer entflammbar, ohne als normal entflammbar – im Brand schmilzt es, tropft und kann giftige Dämpfe freisetzen.
- Diffusionsdicht: Die Wand kann durch Polystyrol schlechter atmen – bei falschem Aufbau steigt das Schimmelrisiko.
- Erdölbasiert: ein fossiler Kunststoff mit entsprechend kritischer Ökobilanz.
- Entsorgung: Ausgediente Platten sind aufwendig zu entsorgen und gelten teils als Sondermüll.
- Begrenzter Schallschutz: Polystyrol dämmt Schall nur eingeschränkt.
Wo Polystyrol eingesetzt wird
Das mit Abstand häufigste Einsatzgebiet von EPS ist die Fassadendämmung im Wärmedämm-Verbundsystem – die weißen Platten werden auf die Außenwand geklebt und gedübelt, darüber kommen Armierung und Putz. Alles dazu steht im Ratgeber zum Vollwärmeschutz. Wichtig: Auf mineralischen Dämmsystemen und feuchtem Altbau ist die Kombination mit einem diffusionsdichten Putz kritisch – hier muss der ganze Aufbau bauphysikalisch stimmen.
XPS übernimmt die Perimeterdämmung: die erdberührte Dämmung an der Kellerwand und unter der Bodenplatte, wo es Druck und Feuchtigkeit standhält – passend zum Ratgeber zur Kellerisolierung. Daneben wird Polystyrol für die Dämmung von Dach, Kellerdecke und Fußboden verwendet. In gemahlener Form füllt es auch die Kammern mancher Hochlochziegel.
Was kostet Polystyrol 2026?
Polystyrol ist der Preistipp unter den Dämmstoffen. Eine EPS-Dämmung kostet rund 10 bis 20 Euro pro Quadratmeter, reine Dämmplatten liegen bei etwa 15 bis 30 Euro pro Quadratmeter. XPS ist wegen der höheren Dichte und Druckfestigkeit etwas teurer. Für die Gesamtkosten einer gedämmten Fassade zählen aber auch Kleber, Dübel, Armierung und Putz – das Dämmmaterial ist nur ein Teil. Wer die niedrigen Materialkosten gegen die ökologischen Nachteile und die Entsorgung abwägt, sollte auch mineralische Alternativen in den Vergleich nehmen. Einen ausführlichen Überblick bietet ergänzend das Fachportal energie-experten.org.
Polystyrol im Vergleich mit anderen Dämmstoffen
- Polystyrol (EPS/XPS): günstig, gut dämmend, feuchteunempfindlich – aber brennbar, diffusionsdicht und erdölbasiert.
- Perlite: mineralisch, nicht brennbar, diffusionsoffen – dafür teurer und mit mittlerer Dämmleistung.
- Mineralwolle: nicht brennbar, gut dämmend, günstig – der mineralische Standard.
- Holzfaser: ökologisch mit gutem sommerlichem Hitzeschutz, aber teurer.
Polystyrol ist damit die erste Wahl, wenn der Preis und eine hohe Dämmwirkung bei geringer Dicke im Vordergrund stehen. Wo Brandschutz, Diffusionsoffenheit oder Ökologie zählen, sind mineralische Dämmstoffe wie Perlite oder Mineralwolle die bessere Wahl. Eine gute Materialkunde zur EPS-Dämmung bietet auch das Fachmagazin maler.org.
Die häufigsten Fehler
- EPS statt XPS im Erdreich: Im druck- und feuchtebelasteten Perimeterbereich gehört das druckfeste, wasserabweisende XPS hin, nicht das weiche EPS.
- Diffusionsdichten Aufbau missachtet: Auf feuchtem Altbau oder mineralischem Untergrund kann Polystyrol mit dichtem Putz zu Feuchtestau führen – der Wandaufbau muss stimmen.
- Brandschutz unterschätzt: Bei der Fassadendämmung sind Brandriegel und die richtige Ausführung wichtig – kein Feld zum Improvisieren.
- Nur den Materialpreis verglichen: Kleber, Dübel, Armierung, Putz und die spätere Entsorgung gehören in die Rechnung.
- Ökobilanz ausgeblendet: Wer Wert auf Nachhaltigkeit legt, sollte mineralische oder nachwachsende Alternativen prüfen.
Häufig gestellte Fragen zu Polystyrol
Was ist der Unterschied zwischen EPS und XPS?
EPS (expandiertes Polystyrol, „Styropor“) ist die leichte, günstige weiße Dämmplatte für Fassade und Dach. XPS (extrudiertes Polystyrol, „Styrodur“) ist dichter, druckfester und wasserabweisend und wird für erdberührte, feuchte und druckbelastete Bereiche wie die Perimeterdämmung am Keller und unter der Bodenplatte verwendet.
Wie gut dämmt Polystyrol?
Polystyrol dämmt sehr gut: EPS erreicht eine Wärmeleitfähigkeit von 0,031 bis 0,045 W/(m·K), XPS 0,028 bis 0,042. Schon dünne Schichten erzielen niedrige U-Werte. Damit gehört Polystyrol zu den stärker dämmenden Materialien und braucht weniger Dicke als etwa Perlite oder einfache Schüttdämmstoffe.
Ist Polystyrol brennbar?
Ja, Polystyrol ist brennbar. Mit Flammschutzmittel gilt es als schwer entflammbar, ohne als normal entflammbar. Im Brandfall schmilzt es, tropft und kann giftige Dämpfe freisetzen. Bei der Fassadendämmung sind deshalb Brandriegel und eine fachgerechte Ausführung wichtig, um die Brandausbreitung zu begrenzen.
Was kostet eine Polystyrol-Dämmung?
Eine EPS-Dämmung kostet rund 10 bis 20 Euro pro Quadratmeter, reine Dämmplatten 15 bis 30 Euro. XPS ist etwas teurer. Für eine komplette gedämmte Fassade kommen Kleber, Dübel, Armierung und Putz hinzu. Polystyrol bleibt aber der günstigste gängige Dämmstoff.
Ist Polystyrol diffusionsoffen?
Nein, Polystyrol ist diffusionsdicht – die Wand kann dadurch schlechter atmen. Auf feuchtem Altbau oder mineralischem Untergrund kann das in Kombination mit einem dichten Putz zu Feuchtestau und Schimmel führen. Dort sind diffusionsoffene, mineralische Dämmstoffe die sicherere Wahl. Der gesamte Wandaufbau muss bauphysikalisch stimmen.
Wie wird Polystyrol entsorgt?
Ausgediente Polystyrol-Dämmplatten sind aufwendig zu entsorgen und gelten je nach Zusatzstoffen teils als Sondermüll. Das ist einer der ökologischen Nachteile des erdölbasierten Dämmstoffs. Erkundigen Sie sich vor dem Rückbau bei der örtlichen Abfallwirtschaft über die korrekte Entsorgung.
Polystyrol oder mineralischer Dämmstoff?
Polystyrol ist günstiger und dämmt bei geringer Dicke stark, ist aber brennbar, diffusionsdicht und erdölbasiert. Mineralische Dämmstoffe wie Perlite oder Mineralwolle sind nicht brennbar und diffusionsoffen, dafür teurer oder dicker. Wo Preis und schlanke Aufbauten zählen, überzeugt Polystyrol; wo Brandschutz, Atmungsaktivität und Ökologie wichtig sind, mineralische Alternativen.