Bonsai für Haus und Garten – unser großer Bonsai Ratgeber

Zusammen mit vielen anderen japanischen Gebräuchen, wie Feng Shui, wurde die japanische bzw. chinesische Kultur der Gartenkunst, namens Bonsai (Anpflanzung in der Schale), in den 80iger Jahren im Westen bekannt.

Doch selbst 30 Jahre später übt die spezielle Anpflanzung und Kultivierung verschiedenster Baumarten immer noch eine große Faszination aus und verschönert viele Gärten.

Dabei werden die Menschen von unterschiedlichen Aspekten dieser Art der Gartenarbeit angesprochen. Die möglichen Motivationen zeigen wir in einem einleitenden Teil auf, um in der weiteren Folge immer weiter ins Detail zu gehen.

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Ein Bonsai der auf einem Stein wächst.

Die Faszination Bonsai

Bonsai ist in den meisten Fällen nichts geringeres als eine Kunstform, wie das Malen eines Bildes oder das Komponieren einer Oper. So wird durch diese Gartenkunst aus Japan eine Idee oder eine Emotion des Gestalters ausgedrückt, die wie bei anderer Kunst nicht immer verstanden wird, aber wenn der richtige Empfänger die gestaltete Pflanze betrachtet, kann es ihn direkt ins Herz treffen, wie ein unsterbliches Gemälde. Das besondere an dieser Kunstform ist aber der lange Zeitraum, der benötigt wird um das gewünschte Gefühl auszudrücken. Es handelt sich also nicht um eine spontane Darstellung, sondern viel mehr um einen Beweis der eigenen Disziplin und um das Bekennen zu einer Lebenseinstellung.

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Die Faszination der japanischen Gartenkunst

So können Menschen Bonsai für sich entdecken, wenn eine neue Lebensphase gestartet werden soll und die sorgsame und detaillierte Pflege symbolisiert das Festhalten an den neuen Prinzipien. Andere Menschen beginnen Bonsai zu betreiben, da sie darin die höchste Form der Gartengestaltung sehen und so ihren Drang nach Perfektion bedienen können. Doch unabhängig von der persönlichen Motivation entsteht bei der Gartenkunst Bonsai eine enge Bindung zwischen Mensch und Pflanze und das hat für sich genommen schon einen ganz besonderen Zauber.

Stilrichtungen des japanischen Bonsai

Wie bereits erwähnt, geht es bei der Kunst des Bonsai vornehmlich um Disziplin und Geduld. Als logische Konsequenz ist es kaum verwunderlich, dass für die einzelnen Stilrichtungen des Bonsai sehr strikte Regeln gelten, die bei der Einhaltung der japanischen Tradition unbedingt beachtet werden müssen (weiterführende Literatur bietet noch detailliertere Beschreibungen).

Chokkan (streng aufrechte Form)

Sofern die Stilrichtung Chokkan gewählt wird, ist es von großer Bedeutung, dass sich die Baumkrone in einer Linie zum Wurzelansatz befindet. Diese Linie wird durch den senkrechten Stamm dargestellt. Die Krone selbst wird zu einer Pyramidenform gestutzt.

Moyogi (frei aufrechte Form)

In dieser Ausführung darf der Stamm einige Schwünge aufweisen, während die Krone sich weiterhin über dem Wurzelansatz befinden muss. Die einzelnen Äste gehen dabei aus den Biegungen hervor und die Baumkrone nimmt vorzugsweise die Form eines unregelmäßigen Dreiecks ein.

Shakan (geneigte Form)

Hier wird der Bonsai an einem Ende der Schalen gepflanzt und durch den schrägen Stamm sollte die Pflanze am gegenüberliegenden Ende über den Rand hinaus ragen. Die Äste sind dabei in möglichst viele Richtungen verzweigt.

Yose-Ue (Waldform)

Die Waldform wird durch mehrere verschiedene Bonsai-Bäume gebildet, welche der gleichen Stilrichtung entsprechen, aber verschiedene Größen aufweisen. Der Hauptbaum wird in einer dezentralen Position angeordnet und kleinere Bäume im Vordergrund, wobei bestimmte Abstände einzuhalten sind.

Ikadabuki (Floßform)

Die Floßform gleicht einem umgestürzten Baumstamm, dessen seitliche Äste neue Einzelbäume bilden, die sich in den Baumkronen wieder zu einer geraden Linie verbinden. Alle Bäumchen werden wie bei der Waldform im Garten oder in einer Schale angepflanzt. Die Anzahl der Einzelpflanzen sollte unbedingt ungerade sein.

Bunjingi (Gelehrtenform)

Diese Stilrichtung der Gartenkunst Bonsai bietet sehr wenige Möglichkeiten für das Einbringen der eigenen Ästhetik, da der lange Stamm bis zur Krone keine Äste aufweisen darf. Nur ein Bonsai-Gelehrter bzw. ein Meister sollte sich an dieser Richtung versuchen.

Hokidachi (Besenform)

Hier wird die Gestaltung eines Besens nachempfunden. Der Stamm ist äußerst kurz und die Äste entspringen alle auf gleicher Höhe und verzweigen sich gleichförmig, wie bei einem Besen (enthält viele Ausnahmen zu den allgemeinen Ast-Regeln).

Kengai (Kaskadenform)

Diese Gestaltung erinnert an einen Baum der über eine Klippe hängt und sollte demnach nur in erhöhter Lage angewandt werden (Schale ist an der Decke angebracht oder befindet sich auf einem Podest). Der Baum selbst hängt nämlich über den Schalenrand hinaus und idealerweise befindet sich die Krone unter dem Boden des Topfs.

Fukinagashi (Windgepeitschte Form)

Die Ähnlichkeit zu Shakan lässt sich in diesem Fall nicht übersehen, aber alle Äste verzweigen sich hier nicht in alle möglichen Richtungen, sondern weisen in eine einzige Richtung, als ob der Wind den Baum geformt hätte.

Ishigami /Ishitsuku (Felsenform)

In diesem Fall erinnert die Gestaltung stark an Felsstrukturen in der Natur. Diese Stilrichtung kann über die Gestaltung der Wurzeln aber ebenso über das eigentliche Erscheinungsbild erfüllt werden.

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Der Bonsai will gepflegt werden – für den Besitzer kann das zu einer meditativen Tätigkeit werden.

In Europa ist vor allem die Besenform bei der Bonsai-Gestaltung besonders beliebt, da sich hierzulande bestimmte Abwandlungen der ursprünglichen Tradition durchsetzen konnten, die verschiedene Regelausnahmen erlauben.

Allgemeine Regeln für die Gartenkunst Bonsai

Die Äste sollten bei der Bonsai-Gestaltung von diversen Bäumen und Sträuchern bestimmten Regeln folgen. Unter Umständen fühlen sich manche Hobby-Gärtner etwas überfordert oder eingeschränkt von all dem Regelwerk, aber es könnte ein Vergleich mit Schach angeführt werden. Nur wenn die Regeln (Zugmuster, Weiß beginnt etc.) eingehalten werden, kann sich Kreativität im folgenden Spiel entwickeln. So sind auch die Regeln bei dieser Gartenkunst zu sehen.

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Das richtige schneiden ist eine Kunst für sich.

Wir zeigen in dieser Auflistung die wichtigsten Astauswüchse und Zweigformen, die zu vermeiden sind (bei manchen Stilformen wie der Besenform gibt es Ausnahmen):

  • Äste, die sich überkreuzen oder den Stamm kreuzen sind unerwünscht
  • Äste die gegenüber aus dem Stamm wachsen (auf gleicher Höhe) stellen ein No-Go dar
  • Parallele Astauswüchse sind zu vermeiden
  • An der Vorderseite dürfen keine Äste im unteren Stammbereich sprießen
  • Äste dürfen nicht von den Innenseiten von Stammkrümmungen ausgehen
  • Zweige als weitere Auswüchse dürfen sich nicht an Unterseiten von Ästen befinden
  • Zusätzlich darf ein Wipfel natürlich keinesfalls fehlen

Interpretationen von Stilelementen

Da es sich bei Bonsai um eine Kunstform handelt, die Hunderte von Jahren alt ist, haben sich bestimmte Sichtweisen auf Gestaltungselemente eingebürgert, ähnlich wie dies bei Gemälden mit der Perspektive der Fall ist.

Asymmetrie nimmt eine wichtige Rolle bei der japanischen bzw. chinesischen Gartenkunst ein. Dadurch wird zum einen die Natur nachempfunden und darüber hinaus wird die Betrachtung, ebenso wie bei der Perspektive, interessanter aber in einer gewissen Weise auch geführt. Hier muss jedoch angemerkt werden, dass die Besenform, welche in Europa sehr beliebt ist, eher die Ausnahme bezüglich der Asymmetrie darstellt. Die europäische Gartenkunst wehrt sich also zumindest zu einem gewissen Grad gegen ganz traditionelle Vorgaben. Trotzdem kann durch eine dezentrale Platzierung des Baums und durch andere Gestaltungselemente übertriebene Symmetrie vermieden werden.

Die Leere in der Komposition kann schön bei der Waldform beobachtet werden. Durch das Spiel zwischen Fülle und Freiräume bekommt die gesamte Gestaltung mehr Tiefe und kann besser die gewünschte Geschichte erzählen. Vor allem Bonsai-Experten können sich sehr gut mit diesem Stilelement ausdrücken (siehe ebenfalls Gelehrtenform).

Bonsai für den Garten oder Indoor?

Durch die vorangegangenen Beschreibungen der Stilformen und der Regeln wurde schon implizit klar, dass sich Bonsai keinesfalls auf eine bestimmte Art von Baum bezieht, sondern mit vielerlei unterschiedlichen Pflanzenarten betrieben werden kann. In der Regel eignen sich alle Gewächse mit kleinen Trieben (Nadeln oder Blättern).

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Auch im Garten ein echter Hingucker.

Dadurch ergeben sich sehr natürlich die Unterscheidungen von Bonsai für den Innenbereich und Gartenkunst für den Außenbereich. Der Gärtner oder die Gärtnerin muss sich einfach die Frage stellen, ob die jeweilige Pflanze den Winter in Österreich übersteht.

Die ursprünglichste Form würde das Sammeln von Samen heimischer Pflanzen darstellen (Yamadori). In verschiedenen Baumschulen werden jedoch bereits entsprechend vorbereitete Bäume für Anfänger des Bonsais angeboten. Einige Beispiele von Bäumen und Sträuchern, die sich für den Outdoor-Bereich in unserer Region eignen, werden im Folgenden vorgestellt, wobei diese Liste nicht absolut vollständig, aber sehr repräsentativ ist:

  • verschiedene Ahorn-Arten (Dreispitz-Ahorn, Feld-Ahorn, Spitzahorn etc.)
  • Roßkastanie
  • Kupfer-Felsenbirne
  • Gewöhnlicher Buchsbaum
  • Hainbuche
  • Rotdorn
  • Echte Quitte
  • Kerb-Buche und Rot-Buche
  • Wacholder
  • Stein-Kirsche und Blüten-Kirsche
  • Silber-Weide
  • Europäische Eibe
  • Sommer-Linde und Winter-Linde
  • Feldulme

Zudem bieten sich bestimmte Stilformen besonders für Bonsai im Garten an. Dazu zählen unter anderem die Waldform oder die Floßform.

Perfekt für das moderne Haus geeignet

Im Innenbereich kann praktisch jede Pflanzenart mit Bonsai stilvoll in Szene gesetzt werden. Es müssen nur die jeweiligen Klimabedingungen im Inneren des Hauses hergestellt werden. Aber wie bei Bonsai im Garten, empfehlen sich vor allem bestimmte Stilformen für den Indoor-Bereich. Die Kaskadenform oder die Felsform eignen sich besonders gut. Darüber hinaus kann bei Indoor-Bonsai ebenfalls die Wahl der Schale eine große Bedeutung einnehmen. Der Beziehung zwischen Breite und Höhe muss hier neben der reinen Verzierung Aufmerksamkeit geschenkt werden. Sofern der Bonsai mehr in die Breite wächst, sollte die Breite der Schale zwei Drittel der Pflanzenbreite entsprechen. Falls ein Wachstum in die Höhe bevorzugt wird, sollte die Schale zwei Drittel der Höhe in der Breite messen.

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Moderne Badezimmer als perfekte Umgebung für den Bonsai.

Die Meisterung der Gartenkunst Bonsai dauert ihrem Wesen nach schon viele Jahre und mehrere Besuche von Kursen und Bonsai-Schulen vermitteln nicht nur Wissen, sondern darüber hinaus kann Kontakt zu anderen Enthusiasten hergestellt werden. Wir hoffen diese Informationen haben Interesse bei Ihnen geweckt und Sie können ein neues, kunstvolles aber ebenso entspanntes Hobby für sich entdecken. Die eindrucksvolle Gestaltung des Gartens oder Hauses kommt dann als schöner Bonus daher.

Quellen:

http://www.bonsaipflege.ch/schneiden.html

http://www.luxurytrees.com

http://www.hausgarten.net/gartenformen/japanischer-garten/bonsaiarten.html

http://www.bonsai-club-deutschland.com/wissenswertes/einsteigertipps/53-tipp-06-wasser

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