
Der Hochlochziegel hat den klassischen Vollziegel im Wohnbau längst abgelöst – aus einem einfachen Grund: Seine senkrechten Hohlkammern machen ihn leichter und dämmen zugleich viel besser. Bei den modernen, mit Dämmstoff gefüllten Wärmedämmziegeln reicht die Dämmwirkung sogar aus, um eine Außenwand einschalig zu bauen, also ganz ohne zusätzliches Wärmedämm-Verbundsystem.
Der Unterschied ist enorm: Ein ungefüllter Hochlochziegel kommt auf eine Wärmeleitfähigkeit von rund 0,12 W/(m·K), ein mit Perlit oder Mineralwolle gefüllter Dämmziegel erreicht 0,07 bis 0,09 – Werte, für die man bei anderen Baustoffen eine dicke Zusatzdämmung bräuchte. Gleichzeitig trägt der Ziegel dank der senkrechten Lochung zuverlässig auch mehrgeschossige Häuser.
Was einen Hochlochziegel ausmacht, wie sich gefüllte und ungefüllte Ziegel unterscheiden, wo seine Stärken und Grenzen liegen und was er kostet, klärt dieser Ratgeber – samt Vergleich mit Vollziegel und Porenbeton.
Was ist ein Hochlochziegel?
Ein Hochlochziegel (HLZ) ist ein Mauerziegel mit senkrechten Lochungen – vielen kleinen, vertikal durchlaufenden Hohlkammern. Diese Lochung reduziert das Gewicht, verbessert die Wärmedämmung und den Schallschutz und lässt sich dank ihrer senkrechten Ausrichtung trotzdem hoch belasten. Deshalb eignet sich der Hochlochziegel auch für tragendes Mauerwerk.
Der Lochanteil ist genormt: Nach ÖNORM B 3200 muss er mindestens 25 Prozent betragen, üblich sind Werte zwischen 25 und 55 Prozent. Je höher der Lochanteil und je feiner die Kammerstruktur, desto besser die Dämmwirkung – und desto wichtiger die sorgfältige Verarbeitung.
Gefüllt oder ungefüllt: der entscheidende Unterschied
Der wichtigste Unterschied bei Hochlochziegeln ist, ob die Hohlkammern leer (luftgefüllt) oder mit Dämmstoff gefüllt sind:
- Ungefüllte Hochlochziegel: Die Kammern enthalten nur ruhende Luft. Sie dämmen ordentlich (Wärmeleitfähigkeit um 0,12 W/(m·K)) und sind der solide Standard, oft in Kombination mit einer zusätzlichen Fassadendämmung.
- Gefüllte Wärmedämmziegel: Die Kammern sind mit Dämmstoff verfüllt – meist Perlit, Mineral-/Steinwolle, Holzfaser oder Polystyrol. Sie erreichen 0,07 bis 0,09 W/(m·K) und ermöglichen einschaliges, monolithisches Mauerwerk ohne separates Dämmsystem.
Die gefüllten Ziegel sind die moderne Antwort auf hohe Energiestandards: eine einzige Wandschicht trägt und dämmt zugleich. Einen Überblick über solche Wärmedämmziegel bietet das Fachportal energie-experten.org.
Die Vorteile von Hochlochziegeln
- Gute Wärmedämmung: vor allem als gefüllter Wärmedämmziegel – einschaliges Bauen ohne Zusatzdämmung möglich.
- Leichter als Vollziegel: die Hohlkammern reduzieren das Gewicht und erleichtern die Verarbeitung.
- Tragfähig: die senkrechte Lochung erlaubt tragendes Mauerwerk bis in mehrere Geschosse.
- Guter Schallschutz: je nach Ausführung besser als sehr leichte Baustoffe.
- Wohngesund und langlebig: gebrannter Ton ist rein mineralisch, diffusionsoffen und dauerhaft.
- Nicht brennbar: Ziegel sind von Natur aus feuerfest.
Die Nachteile
- Sorgfältige Verarbeitung nötig: Die dünnstegige Struktur verlangt sauberes Vermauern und passende Mörteltechnik, damit die Dämmwirkung erhalten bleibt.
- Empfindlicher beim Befestigen: Schwere Lasten brauchen spezielle Dübel, weil die Hohlkammern Standard-Dübel schlechter halten.
- Bruchempfindlicher: Die filigranen Stege sind mechanisch weniger robust als ein Vollziegel.
- Höherer Preis bei Dämmziegeln: gefüllte Hochleistungsziegel kosten deutlich mehr als einfache Ziegel.
Wärmeleitfähigkeit im Überblick
| Ziegelart | Wärmeleitfähigkeit λ | Einordnung |
|---|---|---|
| Vollziegel | ca. 0,50 W/(m·K) | viel Masse, wenig Dämmung |
| Hochlochziegel, ungefüllt | ca. 0,12 W/(m·K) | solide, oft mit Zusatzdämmung |
| Wärmedämmziegel, gefüllt | 0,07 – 0,09 W/(m·K) | einschalig ohne Zusatzdämmung |
Je kleiner der λ-Wert, desto besser die Dämmung. Der gefüllte Wärmedämmziegel spielt damit in einer Liga mit dem Porenbeton, der ebenfalls einschaliges Bauen erlaubt. Wie sich der U-Wert einer Wand daraus ergibt, zeigt der Ratgeber zur U-Wert-Berechnung.
Einsatz: tragend und einschalig bauen
Hochlochziegel sind der Standard für den Massivbau von Ein- und Mehrfamilienhäusern. Mit gefüllten Wärmedämmziegeln lässt sich eine tragende Außenwand einschalig errichten, die zugleich hohe Dämmanforderungen erfüllt – das spart die separate Fassadendämmung samt Verklebung und Wartung. Ungefüllte Hochlochziegel werden häufig mit einem Vollwärmeschutz kombiniert. Für Innen- und Trennwände kommen ebenfalls Lochziegel in passender Festigkeitsklasse zum Einsatz. Der ganze Wandaufbau ist Teil der Massivhaus-Bauweise.
Was kostet ein Hochlochziegel 2026?
Einfache Hochlochziegel sind günstig und werden nach Stück oder Palette verkauft. Deutlich teurer sind die gefüllten Hochleistungs-Wärmedämmziegel: Je nach Dicke und Hersteller liegen sie etwa bei 12 bis 20 Euro pro Ziegel. Für die Gesamtkosten einer Wand zählen aber weniger die Einzelziegel als der komplette Aufbau: Ein gefüllter Wärmedämmziegel ist teurer als ein einfacher Ziegel, spart dafür aber die separate Fassadendämmung – über die Gesamtrechnung relativiert sich der Aufpreis. Vergleichen Sie daher immer die fertige Wand, nicht den einzelnen Stein.
Die häufigsten Fehler
- Unsauber vermauert: Bei dünnstegigen Ziegeln zerstören dicke oder falsche Mörtelfugen die Dämmwirkung – auf die passende Mörteltechnik achten.
- Falsche Dübel: Schwere Lasten reißen aus den Hohlkammern – spezielle Hohlraumdübel verwenden.
- Ziegel falsch gewählt: Ungefüllte Ziegel ohne Zusatzdämmung erreichen die geforderten U-Werte oft nicht – für einschaliges Bauen gefüllte Wärmedämmziegel wählen.
- Nur den Steinpreis verglichen: Entscheidend ist die fertige, gedämmte Wand – nicht der Preis des einzelnen Ziegels.
- Wärmebrücken übersehen: An Stürzen, Ecken und Anschlüssen entstehen leicht Kältebrücken – sorgfältige Detailplanung zahlt sich aus.
Häufig gestellte Fragen zu Hochlochziegeln
Was ist ein Hochlochziegel?
Ein Hochlochziegel (HLZ) ist ein Mauerziegel mit senkrechten Hohlkammern. Diese Lochung macht ihn leichter, verbessert Wärmedämmung und Schallschutz und erlaubt dank der senkrechten Ausrichtung tragendes Mauerwerk. Nach ÖNORM B 3200 beträgt der Lochanteil mindestens 25 Prozent, üblich sind 25 bis 55 Prozent.
Was ist der Unterschied zwischen gefüllten und ungefüllten Ziegeln?
Bei ungefüllten Hochlochziegeln enthalten die Kammern nur Luft (Wärmeleitfähigkeit um 0,12 W/(m·K)). Gefüllte Wärmedämmziegel haben die Kammern mit Dämmstoff wie Perlit, Mineralwolle oder Holzfaser verfüllt und erreichen 0,07 bis 0,09 W/(m·K). Nur die gefüllten Ziegel ermöglichen einschaliges Bauen ohne zusätzliche Fassadendämmung.
Kann man mit Hochlochziegeln tragend bauen?
Ja. Durch die senkrechte Lochung sind Hochlochziegel gut belastbar und eignen sich für tragendes Mauerwerk bis in mehrere Geschosse. Die passende Festigkeitsklasse wird nach der statischen Belastung gewählt. Für sehr hohe Punktlasten oder besondere Anforderungen plant man ergänzend Stahlbetonbauteile ein.
Was kostet ein Wärmedämmziegel?
Gefüllte Hochleistungs-Wärmedämmziegel kosten je nach Dicke und Hersteller etwa 12 bis 20 Euro pro Ziegel. Einfache ungefüllte Hochlochziegel sind deutlich günstiger. Wichtiger als der Einzelpreis ist die fertige Wand: Der teurere Dämmziegel spart die separate Fassadendämmung, wodurch sich der Aufpreis über die Gesamtrechnung relativiert.
Hochlochziegel oder Porenbeton?
Beide erlauben einschaliges, dämmendes Massivmauerwerk. Gefüllte Wärmedämmziegel bieten oft etwas mehr Masse und damit besseren Schallschutz und Wärmespeicherung, Porenbeton ist leichter und sehr einfach zu verarbeiten. Die Wahl hängt von Anforderungen an Schallschutz, Verarbeitung und Budget ab – beide sind bewährte Massivbaustoffe.
Wie befestigt man Lasten an Hochlochziegeln?
Weil die Hohlkammern Standard-Spreizdübel schlechter halten, braucht es für schwere Lasten spezielle Hohlraum- oder Injektionsdübel. Für leichte bis mittlere Lasten genügen passende Ziegeldübel. Bei sehr hohen Lasten plant man die Befestigungspunkte am besten gleich mit ein, etwa über eingemauerte Anker.
Sind Hochlochziegel diffusionsoffen?
Ja, gebrannter Ton ist rein mineralisch und diffusionsoffen – die Wand kann atmen und Feuchtigkeit regulieren. In Kombination mit einem diffusionsoffenen Putz und passender Dämmung ergibt sich ein bauphysikalisch stimmiger, wohngesunder Wandaufbau. Achten Sie darauf, dass alle Schichten aufeinander abgestimmt sind.