Wer heute einen Dachstuhl, einen Carport oder gleich ein ganzes Haus in Holzbauweise plant, kommt an einem Begriff nicht vorbei: Konstruktionsholz. Gemeint sind technisch getrocknete, maßhaltige und nach Festigkeit sortierte Holzprodukte für tragende Zwecke – allen voran Konstruktionsvollholz (KVH) und Brettschichtholz (BSH). Sie haben das klassische, luftgetrocknete Bauholz vom Sägewerk in den meisten Anwendungen abgelöst.
Der Grund ist simpel: Tragende Konstruktionen müssen berechenbar sein. Ein Balken, der nachträglich schwindet, sich verdreht oder reißt, verursacht knarrende Decken, undichte Anschlüsse und im schlimmsten Fall statische Probleme. Hinter den vielen Abkürzungen steckt zum Glück ein übersichtliches Sortiment: drei Produktfamilien, jede mit klarem Einsatzgebiet – und mit Preisunterschieden von bis zu 100 Prozent, die sich mit der richtigen Wahl leicht vermeiden lassen.
Was Konstruktionsholz von einfachem Bauholz unterscheidet
Frisch eingeschnittenes Schnittholz enthält viel Wasser. Beim Austrocknen schwindet es, verzieht sich und bekommt Risse – beim traditionellen Zimmermannsbau wurde das eingeplant, im modernen, präzisen Holzbau ist es ein Problem. Konstruktionsholz begegnet dem mit drei Merkmalen:
- Technische Trocknung: KVH wird auf eine Holzfeuchte von 15 Prozent (± 3 Prozent) getrocknet, BSH sogar auf etwa 12 Prozent. Das entspricht ungefähr der Feuchte, die sich im verbauten Zustand ohnehin einstellt – das Holz „arbeitet“ also kaum noch nach.
- Festigkeitssortierung: Jedes Stück wird nach klaren Regeln klassifiziert. Bei KVH ist die Festigkeitsklasse C24 der Standard, bei BSH GL24h – die Zahl steht jeweils für die Biegefestigkeit in Newton pro Quadratmillimeter. Der Statiker kann damit exakt rechnen.
- Maßhaltigkeit: Konstruktionsholz ist gehobelt oder egalisiert und gefast, die Querschnitte stimmen auf den Millimeter. Das beschleunigt die Montage und ermöglicht sichtbare Konstruktionen ohne Nacharbeit.
KVH: Konstruktionsvollholz für die meisten Aufgaben
Konstruktionsvollholz ist massives Nadelholz – meist Fichte, daneben Tanne, Kiefer, Lärche oder Douglasie – das herzgetrennt eingeschnitten wird, um die Rissbildung zu minimieren. Einzelne Stücke gibt es bis etwa 5 Meter Länge; für längere Bauteile werden die Hölzer keilgezinkt, also über gefräste Zinken verleimt. So sind Längen bis 13 Meter lieferbar, ohne dass die Tragfähigkeit leidet.
Die Keilzinkung ist dabei kein Schwachpunkt, sondern ein Qualitätsmerkmal: Die Verbindung wird unter definierten Bedingungen verleimt und erreicht die volle Tragfähigkeit des Querschnitts. Praktischer Nebeneffekt der Zinkung: Grobe Fehlstellen wie große Äste werden vor dem Verbinden herausgekappt – das Endprodukt ist gleichmäßiger als gewachsenes Langholz.
Unterschieden werden zwei Sichtqualitäten: KVH Si (sichtbar) ist gehobelt und optisch einwandfrei – die richtige Wahl für offene Dachstühle, sichtbare Deckenbalken oder Carports. KVH NSi (nicht sichtbar) ist nur egalisiert und günstiger – völlig ausreichend für alles, was später hinter Beplankung, Dämmung oder Verkleidung verschwindet, etwa im Holzriegelbau.
Duo- und Triobalken: die Zwischenlösung
Duobalken bestehen aus zwei, Triobalken aus drei miteinander verleimten Vollholzquerschnitten. Sie sind formstabiler als einfaches KVH und praktisch frei von Trocknungsrissen – deshalb werden sie gerne dort eingesetzt, wo größere Querschnitte sichtbar bleiben sollen, etwa bei Pfetten und Graten im Dachstuhl. Preislich liegen sie laut Händlerangaben rund 25 bis 35 Prozent über vergleichbarem KVH.
BSH: Brettschichtholz für große Spannweiten
Brettschichtholz – oft Leimbinder genannt – besteht aus mindestens drei faserparallel verleimten Brettlamellen. Durch den geschichteten Aufbau werden Fehlstellen im Holz entschärft, die Tragfähigkeit steigt deutlich: Standard ist die Festigkeitsklasse GL24h, für höhere Lasten gibt es GL28h und GL32h. Produzierbar sind Träger bis etwa 40 Meter Länge; im Handel üblich sind 5 bis 12 Meter.
BSH kommt überall dort zum Einsatz, wo KVH an seine Grenzen stößt: weit gespannte Decken ohne Zwischenstützen, offene Dachkonstruktionen, Unterzüge, Carport-Träger über zwei Stellplätze. Auch optisch spielt es eine Rolle – BSH wird fast immer in Sichtqualität verbaut und wirkt durch den lamellierten Aufbau sehr gleichmäßig.
KVH, Duo/Trio und BSH im direkten Vergleich
| KVH | Duo/Trio | BSH | |
|---|---|---|---|
| Aufbau | massives Einzelholz, keilgezinkt | 2-3 verleimte Querschnitte | mindestens 3 verleimte Lamellen |
| Festigkeitsklasse | C24 | C24 und höher | GL24h bis GL32h |
| Holzfeuchte | 15 % ± 3 % | 15 % ± 3 % | ca. 12 % ± 2 % |
| Lieferlängen | bis 13 m | bis 13 m | bis 40 m (üblich 5-12 m) |
| Typischer Einsatz | Sparren, Wände, Carport | sichtbare Pfetten, Grate | Unterzüge, weite Spannweiten |
| Preisniveau | Basis | ca. +25-35 % | deutlich darüber |
Welches Holz für welches Projekt?
Als Faustregel aus der Praxis: Bis etwa 6 Meter Spannweite und normale Wohnhauslasten reicht KVH – das betrifft Sparren, Deckenbalken im üblichen Raster, Wandständer und die allermeisten Carports. Darüber hinaus, oder wenn ein Träger besonders schlank bleiben soll, kommt BSH ins Spiel. Für sichtbare Konstruktionen entscheidet neben der Statik die Optik: KVH Si für den rustikaleren, Duobalken und BSH für den makellosen Auftritt.
Ein Sonderfall ist der Außenbereich: Konstruktionsholz aus Fichte ist dort nur bedingt dauerhaft und braucht konstruktiven Holzschutz – also Abdeckungen, Abstand zum Boden und schnelles Abtrocknen. Für frei bewittertes Holz greifen Sie besser zu dauerhafteren Arten, einen Überblick gibt unser Ratgeber zu wetterfestem Holz für den Garten.
Konstruktiver Holzschutz: die wichtigsten Regeln
Wo Konstruktionsholz doch mit Witterung in Berührung kommt – Carport, Vordach, Balkonkonstruktion – entscheidet die Detailplanung über die Lebensdauer. Die bewährten Grundregeln: ausreichend Abstand zwischen Holz und Erdreich, damit Spritzwasser nicht dauerhaft ansteht; Pfosten nie einbetonieren, sondern auf Stahl-Pfostenträger stellen; Hirnholzflächen abdecken, denn über die Stirnseiten saugt Holz Wasser wie ein Strohhalm; und alle Flächen so ausbilden, dass Wasser ablaufen und das Holz nach Regen rasch abtrocknen kann. Wer diese Punkte beachtet, bekommt auch mit Fichten-KVH einen Carport, der Jahrzehnte hält – ganz ohne chemischen Holzschutz.
Was kostet Konstruktionsholz in Österreich?
Holzpreise schwanken mit dem Markt, deshalb hier bewusst Bandbreiten als Richtwerte, Stand Sommer 2026:
- Schnittholz/Bauholz: je nach Marktlage etwa 200 bis 350 Euro pro Kubikmeter
- KVH: je nach Quelle rund 25 bis 50 Prozent über einfachem, luftgetrocknetem Bauholz – der Aufpreis für Trocknung, Sortierung und Maßhaltigkeit
- Duo/Trio: etwa 25 bis 35 Prozent über KVH
- BSH: bei vergleichbarem Querschnitt deutlich teurer als KVH, Händler nennen 70 bis 100 Prozent Aufschlag
Entscheidend für den Endpreis sind Querschnitt, Länge, Sichtqualität und Menge – und ob Zuschnitt oder Abbund dazukommen. Holen Sie für größere Projekte immer mehrere Angebote ein: Zwischen Baumarkt, Holzfachhandel und Sägewerk liegen oft überraschende Unterschiede. Regionale Sägewerke und Holzfachhändler führen KVH in 13-Meter-Stangen ab Lager und liefern Sonderdimensionen oft kurzfristig.
Menge richtig kalkulieren: ein Rechenbeispiel
Holz wird pro Kubikmeter oder pro Laufmeter angeboten – für den Angebotsvergleich müssen Sie umrechnen können. Die Formel ist einfach: Breite mal Höhe mal Länge, mal Stückzahl. Ein Beispiel für ein Satteldach mit 20 Sparren:
- Querschnitt 8 x 16 Zentimeter = 0,08 m x 0,16 m = 0,0128 m² Querschnittsfläche
- mal 6 Meter Sparrenlänge = 0,0768 m³ pro Sparren
- mal 20 Stück = rund 1,54 m³ KVH
Bei einem Kubikmeterpreis von beispielsweise 450 Euro für KVH NSi wären das rund 690 Euro Materialkosten für die Sparrenlage – zuzüglich Verschnitt, den Sie je nach Zuschnittplanung mit 5 bis 10 Prozent einkalkulieren sollten. Solche Überschlagsrechnungen ersetzen keine Statik und keine Abbundliste vom Zimmerer, helfen aber enorm, Angebote einzuordnen.
Für komplette Dachstühle bieten viele Sägewerke und Zimmereien den Abbund gleich mit an: Das Holz kommt fertig zugeschnitten, gebohrt und beschriftet auf die Baustelle. Das kostet Aufpreis, spart aber Baustellenzeit und Verschnitt – gerade für ambitionierte Selberbauer oft die bessere Rechnung.
Kauf und Lagerung: darauf sollten Sie achten
Beim Kauf zählt zuerst der Verwendungszweck: Für tragende Zwecke muss die Festigkeitsklasse (C24 beziehungsweise GL24h oder höher) belegt sein – bei seriösen Händlern ist die Kennzeichnung Standard. Klären Sie außerdem, ob Sie Si- oder NSi-Qualität brauchen; wer NSi verbaut, wo nichts sichtbar bleibt, spart ohne jeden Nachteil.
Auf der Baustelle gilt: Konstruktionsholz ist getrocknet angeliefert und soll so trocken bleiben. Lagern Sie es eben aufliegend auf Staplern oder Kanthölzern, vor Regen geschützt und belüftet – nicht luftdicht in Folie, darunter kondensiert Feuchtigkeit. Ideal ist eine kurze Lagerdauer: Liefertermin und Montage so planen, dass das Holz zügig verbaut und abgedeckt wird.
Häufig gestellte Fragen zu Konstruktionsholz
Was ist der Unterschied zwischen KVH und normalem Bauholz?
KVH ist technisch auf 15 Prozent Holzfeuchte getrocknet, nach Festigkeit sortiert (C24), gehobelt oder egalisiert und keilgezinkt bis 13 Meter lieferbar. Einfaches Bauholz ist meist nur luftgetrocknet – es schwindet, verzieht sich und reißt stärker nach dem Einbau.
Wann brauche ich BSH statt KVH?
Als Faustregel: Bei Spannweiten über etwa 6 Meter, hohen Lasten oder wenn ein Träger möglichst schlank bleiben soll, ist Brettschichtholz die richtige Wahl. Für Sparren, Deckenbalken im normalen Raster und Wandkonstruktionen reicht KVH – und es ist deutlich günstiger.
Was kostet Konstruktionsvollholz in Österreich?
Einfaches Schnittholz liegt in Österreich, Stand Sommer 2026, bei etwa 200 bis 350 Euro pro Kubikmeter; KVH kostet je nach Dimension und Qualität rund 25 bis 50 Prozent mehr. Der genaue Preis hängt von Querschnitt, Länge, Sichtqualität und Abnahmemenge ab – Angebote vergleichen lohnt sich.
Was bedeutet die Festigkeitsklasse C24?
C24 ist die Standard-Festigkeitsklasse für Nadel-Vollholz im konstruktiven Bereich. Die Zahl gibt die charakteristische Biegefestigkeit von 24 Newton pro Quadratmillimeter an. Bei Brettschichtholz übernimmt GL24h diese Rolle, höhere Klassen wie GL28h oder GL32h tragen entsprechend mehr.
Was heißt Si und NSi bei KVH?
Si steht für „sichtbar“: gehobelte, optisch einwandfreie Qualität für offene Konstruktionen. NSi heißt „nicht sichtbar“: nur egalisiert, mit optischen Toleranzen, dafür günstiger. Statisch sind beide gleichwertig – NSi ist die richtige Wahl für alles, was hinter Verkleidungen verschwindet.
Kann ich Konstruktionsholz im Außenbereich verwenden?
Überdacht und mit konstruktivem Holzschutz – etwa beim Carport – ja. Frei bewittert ist Fichten-KVH dagegen nicht dauerhaft: Dort sind resistentere Holzarten wie Lärche oder Douglasie beziehungsweise eigene Terrassen- und Gartenhölzer die bessere Wahl.
Wo kaufe ich Konstruktionsholz am besten?
Für einzelne Balken reicht der Baumarkt, bei größeren Mengen lohnen Holzfachhandel und regionale Sägewerke: bessere Preise, größere Auswahl an Dimensionen und Längen bis 13 Meter sowie Zuschnitt oder Abbund auf Maß. Für tragende Bauteile immer auf die ausgewiesene Festigkeitsklasse achten.