
Eine Erdwärmesonde liefert das ganze Jahr über Wärme aus dem Boden – egal ob es draußen friert oder heiß ist. Ab etwa zehn Metern Tiefe herrscht in Österreich konstant eine Temperatur um 10 Grad, tiefer wird es sogar wärmer. Genau diese gleichmäßige Wärmequelle macht die Tiefenbohrung zur effizientesten Form der Wärmepumpe. Der Haken: Die Bohrung kostet vor Förderung schnell 9.000 bis 30.000 Euro. Bis zu 7.500 Euro Bundesförderung plus 5.000 Euro Bohrbonus gab es dafür bis Juli 2026 – dieser Topf ist inzwischen leer, es bleiben die Landesförderungen.
Wie die Erdwärmenutzung über eine Tiefenbohrung funktioniert
Bei der Tiefenbohrung wird eine sogenannte Erdwärmesonde senkrecht in den Boden eingebracht – ein U-förmiges Kunststoffrohr, durch das eine frostsichere Sole zirkuliert. Die Flüssigkeit nimmt die Erdwärme auf und gibt sie an eine Sole-Wasser-Wärmepumpe im Haus ab, die das Temperaturniveau auf die für Heizung und Warmwasser nötigen Werte anhebt. Weil die Erdtemperatur ganzjährig stabil ist, arbeitet eine Erdwärmepumpe effizienter und gleichmäßiger als eine Luftwärmepumpe, die im Winter mit kalter Außenluft auskommen muss.
Nach der Investition in Bohrung und Wärmepumpe fallen nur noch die Stromkosten für den Betrieb an. Die Erdwärme selbst ist gratis und praktisch unbegrenzt verfügbar – das macht die Heizkosten unabhängig von Öl- und Gaspreisen und langfristig kalkulierbar.
Bohrtiefe und Dimensionierung
Wie tief gebohrt werden muss, hängt von der Heizlast des Hauses und der Beschaffenheit des Untergrunds ab. Für ein Einfamilienhaus mit rund 10 kW Heizlast sind meist 150 bis 250 Bohrmeter nötig. Diese werden je nach Platz und Geologie auf eine tiefe Bohrung oder mehrere flachere Sonden verteilt, die einige Meter Abstand zueinander brauchen. Die genaue Auslegung übernimmt ein Fachbetrieb anhand einer geologischen Einschätzung – eine Unterdimensionierung führt dazu, dass der Boden im Winter zu stark auskühlt und die Effizienz sinkt.
Je besser das Haus gedämmt ist, desto geringer die nötige Heizleistung und damit die Bohrtiefe. Ein Niedrigenergiehaus kommt mit deutlich weniger Bohrmetern aus als ein ungedämmter Altbau.
Tiefenbohrung Kosten in Österreich 2026
Die Bohrung ist der größte Kostenblock. Als Orientierung (Richtwerte 2026, vor Förderung):
| Position | Kosten (ca.) |
|---|---|
| Bohr- und Sondenarbeiten je Bohrmeter | 60 – 80 € |
| je Bohrmeter inkl. Erd- und Anschlussarbeiten | bis ca. 120 € |
| Bohrung gesamt (150 – 250 m) | 9.000 – 30.000 € |
| Sole-Wasser-Wärmepumpe (Gerät + Einbau) | 12.000 – 20.000 € |
In Summe liegt eine komplette Erdwärmeanlage für ein Einfamilienhaus damit oft im Bereich von 25.000 bis 40.000 Euro vor Abzug der Förderungen. Die höheren Anfangskosten gegenüber Luftwärmepumpe oder Gasheizung rechnen sich über die niedrigen Betriebskosten und die lange Lebensdauer der Sonde.
Genehmigung für die Tiefenbohrung
Eine Erdwärmesonde ist nicht überall ohne Weiteres erlaubt – vor der Bohrung sind Genehmigungen einzuholen:
- Wasserrechtliche Bewilligung: In der Regel notwendig, weil die Bohrung Grundwasserschichten durchörtern kann. Zuständig ist die Wasserrechtsbehörde der Bezirksverwaltung. Die Bearbeitung dauert für Bohrungen unter 100 Meter typischerweise etwa zwei bis sechs Wochen.
- Bergrechtliche Genehmigung: Erst bei Bohrungen über 100 Meter Tiefe erforderlich. Die meisten privaten Sonden bleiben darunter.
- Schutz- und Schongebiete: In Wasserschutzgebieten sind Erdwärmesonden häufig eingeschränkt oder unzulässig. Das ist vorab bei der Behörde abzuklären.
Ein erfahrener Bohrbetrieb übernimmt üblicherweise die Antragstellung und kennt die regionalen Vorgaben, die sich zwischen den Bundesländern unterscheiden.
Förderungen für Erdwärme 2026
Der Umstieg von einer fossilen Heizung auf eine Erdwärmepumpe wurde 2026 über die Bundesförderung Kesseltausch unterstützt – seit 10. Juli 2026 ist dieses Budget jedoch ausgeschöpft, neue Anträge sind nicht mehr möglich. Bis dahin galt: Für eine Sole-Wasser-Wärmepumpe gab es bis zu 7.500 Euro, dazu kommt ein Bonus von 5.000 Euro speziell für die Tiefenbohrung beziehungsweise den Brunnen. Das Programm „Sauber Heizen für Alle“ für einkommensschwächere Haushalte deckte einen deutlich höheren Anteil der Kosten ab, wurde am 10. Juli 2026 aber ebenfalls für neue Registrierungen geschlossen. Zusätzlich fördern die Bundesländer den Heizungstausch mit eigenen Programmen. Einen aktuellen Überblick bietet der Branchenverband Wärmepumpe Austria. Weil Anträge vor Beginn der Arbeiten zu stellen sind, sollte die Förderung frühzeitig geklärt werden.
Alternativen zur Tiefenbohrung
Erdwärme lässt sich auch über einen Flächenkollektor gewinnen, der waagrecht in etwa 1,2 bis 1,5 Meter Tiefe verlegt wird. Er kostet weniger, braucht aber eine große, unbebaute Gartenfläche. Wo dieser Platz fehlt, ist die Tiefenbohrung die Lösung. Alternativ nutzt eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe das Grundwasser über einen Saug- und einen Schluckbrunnen – dazu passt der Ratgeber zu Brunnenringen. Wo weder Fläche noch Grundwasser verfügbar sind, bleibt die Luftwärmepumpe als günstigere, wenn auch etwas weniger effiziente Variante.
Häufige Fragen zur Tiefenbohrung
Was kostet eine Tiefenbohrung für Erdwärme in Österreich?
Die reinen Bohr- und Sondenarbeiten kosten rund 60 bis 80 Euro pro Bohrmeter, inklusive aller Nebenarbeiten bis etwa 120 Euro. Für ein Einfamilienhaus mit 150 bis 250 Bohrmetern ergeben sich 9.000 bis 30.000 Euro allein für die Bohrung, dazu kommt die Wärmepumpe.
Wie tief muss für Erdwärme gebohrt werden?
Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit rund 10 kW Heizlast sind meist 150 bis 250 Bohrmeter nötig, verteilt auf eine oder mehrere Sonden. Die genaue Tiefe hängt von Heizlast, Dämmstandard und Geologie ab und wird vom Fachbetrieb berechnet.
Braucht man für eine Erdwärmebohrung eine Genehmigung?
Ja. In der Regel ist eine wasserrechtliche Bewilligung der Bezirksverwaltungsbehörde nötig. Ab 100 Meter Tiefe kommt eine bergrechtliche Genehmigung hinzu. In Wasserschutzgebieten sind Sonden oft eingeschränkt. Der Bohrbetrieb übernimmt meist die Antragstellung.
Wie viel Förderung gibt es 2026 für Erdwärme?
Die Bundesförderung Kesseltausch gewährte für eine Sole-Wasser-Wärmepumpe bis zu 7.500 Euro plus 5.000 Euro Bonus für die Tiefenbohrung, nimmt seit 10. Juli 2026 aber keine neuen Anträge mehr an. Das Programm „Sauber Heizen für Alle“ mit deutlich höheren Sätzen ist seit demselben Tag ebenfalls geschlossen. Zusätzlich fördern die Bundesländer den Heizungstausch.
Was ist der Unterschied zwischen Tiefenbohrung und Flächenkollektor?
Die Tiefenbohrung bringt die Sonde senkrecht bis über 100 Meter tief ein und braucht wenig Platz. Der Flächenkollektor wird waagrecht in etwa 1,2 bis 1,5 Meter Tiefe verlegt, ist günstiger, benötigt aber eine große, unbebaute Gartenfläche. Wo dieser Platz fehlt, ist die Bohrung die Lösung.
Wie effizient ist eine Erdwärmepumpe im Vergleich zur Luftwärmepumpe?
Weil die Erdtemperatur ganzjährig konstant um 10 Grad liegt, arbeitet eine Erdwärmepumpe gleichmäßiger und meist effizienter als eine Luftwärmepumpe, die im Winter mit kalter Außenluft heizt. Dafür sind die Anschaffungskosten wegen der Bohrung höher.
Wie lange hält eine Erdwärmesonde?
Erdwärmesonden sind auf eine Lebensdauer von rund 50 bis 100 Jahren ausgelegt und praktisch wartungsfrei. Die Wärmepumpe selbst hält meist 20 bis 25 Jahre. Die lange Nutzungsdauer der Bohrung ist ein wesentlicher Grund, warum sich die hohe Anfangsinvestition über die Zeit rechnet.