
Staut sich Wasser im Boden rund um ein Haus, drückt es gegen Kellerwände und Fundament – feuchte Keller, Ausblühungen und im schlimmsten Fall Bauschäden sind die Folge. Eine Drainage leitet dieses Wasser kontrolliert ab und entlastet das Mauerwerk. Verlegt kostet sie rund 50 bis 150 Euro pro Laufmeter, für ein ganzes Einfamilienhaus summiert sich das auf mehrere tausend Euro. Am günstigsten und wirksamsten ist sie, wenn sie gleich beim Neubau mitgeplant wird.
Wie eine Drainage funktioniert
Das Prinzip ist reine Schwerkraft. Rund um das Fundament liegt in einem Kiesbett ein perforiertes Rohr, das tiefer sitzt als der Kellerboden. Sickerwasser, das sich im Boden sammelt, fließt dem Weg des geringsten Widerstands folgend in das Kiesbett, tritt durch die Schlitze ins Rohr ein und wird mit leichtem Gefälle zu einem Sammelschacht geführt. Von dort geht es weiter zur Versickerung oder zu einer Vorflut.
Entscheidend ist der Gedanke dahinter: Die Drainage macht die Wand nicht dicht – sie senkt den Wasserdruck, der überhaupt erst auf die Wand wirkt. Statt dass sich staunasses Wasser an der Kellerwand aufstaut und langsam durchdrückt, wird es vorher abgefangen und weggeleitet. Die eigentliche Barriere gegen Feuchtigkeit bleibt die Abdichtung. Deshalb ist eine Drainage immer nur ein Teil des Konzepts, nie die ganze Lösung.
Wann eine Drainage nötig ist
Nicht jedes Haus braucht eine Drainage. Entscheidend sind Boden und Lage. Sinnvoll oder notwendig ist sie vor allem bei:
- bindigen, lehmigen Böden, die Wasser schlecht versickern lassen und es stauen,
- Hanglagen, bei denen Hangwasser gegen das Gebäude drückt,
- hohem Grundwasserstand oder zeitweise drückendem Wasser.
Bei durchlässigen, sandigen Böden, die Niederschlag rasch ableiten, ist eine Drainage oft überflüssig – und kann sogar schaden. Denn eine falsch geplante Drainage kann Wasser überhaupt erst ans Gebäude heranführen oder Grundwasser absenken, wo es gar nicht sein sollte. Bei drückendem Grundwasser ist eine Drainage rund um den Keller wasserrechtlich heikel, weil sie den Grundwasserhaushalt beeinflusst. Die Beurteilung des Bodens gehört daher in fachkundige Hände – im Zweifel per Bodengutachten. Die Drainage ersetzt außerdem nie die Kellerabdichtung, sondern ergänzt sie.
Die Drainage-Arten im Überblick
- Ringdrainage (Hausdrainage): das klassische Rohr rund um das Fundament, das die Kellerwände entlastet. Der häufigste Fall am Gebäude.
- Flächendrainage: ein Netz aus Rohren unter einer größeren Fläche – etwa unter einem Sportplatz, einer stauenden Rasenfläche oder einer Terrasse -, das flächig entwässert.
- Hangdrainage: quer zum Hang verlegte Rohre oder eine Sickerpackung, die ankommendes Hangwasser abfangen, bevor es das Gebäude erreicht.
Am Haus ist fast immer die Ringdrainage gemeint. Im Garten geht es dagegen meist um eine Flächendrainage gegen Staunässe – technisch einfacher, weil hier kein Fundament und keine Abdichtung im Spiel sind.
Der Aufbau nach Norm
Eine fachgerechte Drainage folgt der Norm DIN 4095 (die in Österreich als Planungsgrundlage herangezogen wird) und ist präziser, als es aussieht. Die Norm versteht die Dränung ausdrücklich nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung der Bauwerksabdichtung – eine gute Einführung dazu liefert das Portal Baustoffwissen:
- Graben: Rund um das Fundament wird ein Graben ausgehoben. Der tiefste Punkt der Drainage liegt etwa 20 Zentimeter unter der Fundamentoberkante.
- Filtervlies: Das Grabenbett wird mit einem Filtervlies (Geotextil) ausgelegt. Ohne dieses Vlies setzen sich Rohr und Kies mit Erde zu und das System wird unbrauchbar.
- Sickerkies: Darauf kommt eine mindestens 15 Zentimeter dicke Schicht Sickerkies.
- Drainagerohr: Auf das Kiesbett wird das Drainagerohr gelegt – laut Norm als Stangenware, nicht als flexible Rollenware. Wichtig ist ein durchgehendes Gefälle von mindestens 0,5 Prozent.
- Kontrollschächte: An den Gebäudeecken sorgen Kontroll- und Spülschächte dafür, dass sich das System reinigen lässt.
- Ableitung: Das gesammelte Wasser fließt in einen Sammelschacht und von dort in einen Sickerschacht oder eine Vorflut. Eine Einleitung in den Kanal ist nur mit Genehmigung zulässig.
In Österreich ist für die Bauwerksabdichtung, die die Drainage begleitet, die ÖNORM B 3692 maßgeblich. Sie regelt, welcher Lastfall (Bodenfeuchte, nichtstauendes oder drückendes Wasser) vorliegt und wie die Abdichtung darauf abgestimmt wird – denn danach richtet sich, ob eine Drainage überhaupt sinnvoll ist.
Das richtige Drainagerohr
Für die Hausdrainage wird meist ein Rohr der Nennweite DN 100 (rund 110 mm Außendurchmesser) verwendet. Bei der Perforierung unterscheidet man zwei Typen. Das Vollsickerrohr ist rundum über den gesamten Umfang geschlitzt – Wasser tritt von allen Seiten ein. Das Teilsickerrohr ist nur über einen Teil des Umfangs (etwa 220 Grad) gelocht und hat eine geschlossene Sohle.
Für die Ringdrainage am Haus ist das Teilsickerrohr die richtige Wahl: Die geschlossene Sohle sorgt dafür, dass das aufgenommene Wasser im Rohr zum Sammelschacht abfließt, statt an der tiefsten Stelle gleich wieder ins Erdreich zu versickern. Vollsickerrohre kommen eher in der Flächendrainage zum Einsatz, wo das Wasser gleichmäßig aufgenommen und verteilt werden soll. Das Rohr wird immer mit der Muffe entgegen der Fließrichtung verlegt und die Schlitze nach unten oder seitlich ausgerichtet – je nach Systemvorgabe.
Genehmigung und Wasserrecht in Österreich
Ein Punkt, der oft übersehen wird und teuer werden kann: Wohin darf das Drainagewasser? Das Wasserrechtsgesetz (WRG 1959) wertet das Ableiten oder Versickern von gesammeltem Wasser als Eingriff in den Wasserhaushalt, der je nach Menge und Art eine wasserrechtliche Bewilligung erfordern kann.
Klar ist dagegen, was nicht geht: Die Einleitung von sauberem Drainagewasser in den öffentlichen Schmutzwasserkanal ist in den meisten österreichischen Gemeinden verboten, weil das saubere Sickerwasser die Kläranlagen unnötig belastet. Die Behörde verlangt fast immer die Versickerung auf dem eigenen Grundstück, sofern der Boden das zulässt. Ist Versickerung nicht möglich, muss die Einleitung in ein Gewässer oder einen Regenwasserkanal eigens beantragt und genehmigt werden. Wer sein Drainagewasser illegal in den Kanal leitet, riskiert empfindliche Verwaltungsstrafen und teure Rückbauten. Klären Sie die Ableitung daher vor Baubeginn mit der Gemeinde; eine Übersicht zum Thema bietet die WKO.
Schritt für Schritt: so wird verlegt
- Das Gebäude ringsum bis zur Fundamentunterkante freilegen, die Wand reinigen und die Abdichtung prüfen oder erneuern.
- Den Grabenboden mit dem nötigen Gefälle von mindestens 0,5 Prozent Richtung Sammelschacht abziehen.
- Das Filtervlies großzügig auslegen, sodass es später das ganze Kiesbett umschließen kann.
- Eine Ausgleichsschicht Kies einbringen und das Drainagerohr auf dem Gefälle verlegen, an den Ecken die Kontrollschächte setzen.
- Das Rohr mit Sickerkies überdecken (mindestens 15 cm rundum) und das Filtervlies oben überlappend schließen – das fertige Paket wird so komplett vom Vlies eingehüllt.
- Den Graben verfüllen, den Sammelschacht an die Versickerung oder Vorflut anschließen.
Der kritische Punkt ist das Gefälle: Schon eine durchhängende Stelle im Rohr staut Wasser und lässt Schlamm absetzen. Deshalb wird die Sohle vor dem Verlegen sorgfältig abgezogen und kontrolliert.
Drainage im Garten gegen Staunässe
Nicht jede Drainage liegt am Fundament. Bleibt nach jedem Regen tagelang Wasser auf dem Rasen stehen, faulen Pflanzenwurzeln und der Boden verdichtet sich – typisch für lehmige, verdichtete Gärten. Hier hilft eine Flächendrainage: In einem Fischgrätmuster verlegte Rohre in Kiesgräben nehmen das Stauwasser auf und führen es zu einem tiefer liegenden Sickerpunkt oder einer Mulde.
Der Aufbau ist derselbe wie am Haus – Kiesbett, Rohr, Filtervlies -, nur ohne den heiklen Bezug zu Fundament und Abdichtung. Deshalb ist die Gartendrainage auch für geübte Heimwerker machbar. Wichtig bleibt das Gefälle zum Sammelpunkt und ein durchlässiges Ziel, in das das Wasser tatsächlich abfließen kann. Wo der Unterboden komplett dicht ist, hilft oft schon ein tieferes Aufbrechen der Verdichtung oder ein angelegter Versickerungsbereich mehr als ein Rohr, das nirgendwohin entwässert.
Drainage Kosten 2026
Die Kosten hängen von Grabentiefe, Bodenart, Zugänglichkeit und davon ab, ob neu gebaut oder nachträglich saniert wird (Richtwerte 2026):
| Position | Kosten (ca.) |
|---|---|
| Drainage verlegen pro Laufmeter (inkl. Arbeit) | 50 – 150 € |
| nachträglich mit Abdichtung, aufwändig | bis 180 – 260 €/m |
| Einfamilienhaus (ca. 10 x 10 m), gesamt | 7.000 – 20.000 € |
Der große Kostentreiber bei nachträglicher Drainage ist der Aushub: Das Haus muss ringsum bis zum Fundament freigelegt werden. Deshalb wird die Drainage sinnvollerweise gleich beim Neubau mitverlegt, wenn die Baugrube ohnehin offen ist. Die Materialkosten – Rohr, Kies, Vlies, Schächte – machen dabei nur einen kleinen Teil aus; den Löwenanteil verschlingen Bagger und Arbeitszeit.
Nachträgliche Drainage und Abdichtung
Zeigt ein bestehender Keller Feuchteschäden, wird die Drainage meist gemeinsam mit einer neuen Außenabdichtung ausgeführt – beides erfordert denselben Aushub. Wer bereits mit Wasser im Keller zu kämpfen hat, findet im Ratgeber zur Wasserschadensanierung weitere Hinweise. Grundsätzlich gilt: Eine Drainage behebt keine undichte Wand, sondern reduziert nur den Wasserdruck – die Abdichtung bleibt die eigentliche Barriere. Wird bei einem feuchten Keller nur eine Drainage verlegt und die Abdichtung vergessen, ist das Ergebnis oft enttäuschend.
Wartung: Spülen gegen Verockerung
Eine Drainage ist kein Bauteil, das man vergräbt und vergisst. Der häufigste Grund, warum ein System nach Jahren nicht mehr arbeitet, ist die Verockerung: Eisen- und Manganverbindungen aus dem Boden setzen sich als schleimige, rostbraune Ablagerung in Schlitzen und Rohr ab und verstopfen es nach und nach. Genau dafür sitzen die Kontroll- und Spülschächte an den Ecken – über sie lässt sich das Rohr mit Wasserdruck durchspülen.
Sinnvoll ist eine Kontrolle alle paar Jahre, in eisenreichen Böden öfter. Zeigt sich im Schacht viel Ockerschlamm oder steht das Wasser, wird gespült. Ein sauber eingebautes Filtervlies und das richtige Gefälle verlängern die Intervalle deutlich – beides ist die beste Vorsorge gegen ein zugesetztes Rohr.
Die häufigsten Fehler
- Kein Filtervlies: Ohne Geotextil schwemmt feine Erde ein und verstopft Kies und Rohr – der teuerste Sparfehler.
- Zu wenig oder ungleichmäßiges Gefälle: Durchhängende Stellen stauen Wasser und setzen Schlamm ab.
- Drainage statt Abdichtung: Die Drainage senkt nur den Druck, sie dichtet nicht – die Abdichtung muss stimmen.
- Falsche Ableitung: Anschluss ans Schmutzwasser ist verboten und strafbar – die Ableitung vorher wasserrechtlich klären.
- Auf durchlässigem Boden verlegt: Wo das Wasser ohnehin versickert, ist die Drainage überflüssig und kann sogar schaden.
Häufige Fragen zur Drainage
Was kostet eine Drainage ums Haus?
Das Verlegen kostet inklusive Arbeit rund 50 bis 150 Euro pro Laufmeter, bei aufwändiger nachträglicher Ausführung mit Abdichtung mehr. Für ein Einfamilienhaus von etwa 10 x 10 Metern liegen die Gesamtkosten im Schnitt zwischen 7.000 und 20.000 Euro.
Wann braucht ein Haus eine Drainage?
Vor allem bei bindigen, lehmigen Böden, in Hanglagen und bei hohem Grundwasserstand, wo sich Wasser staut oder gegen das Gebäude drückt. Bei durchlässigen, sandigen Böden ist eine Drainage oft überflüssig. Ein Bodengutachten schafft Klarheit.
Wie tief muss eine Drainage liegen?
Nach DIN 4095 sollte der tiefste Punkt der Drainage etwa 20 Zentimeter unter der Fundamentoberkante liegen. Über die gesamte Länge ist ein Gefälle von mindestens 0,5 Prozent einzuhalten, damit das Wasser sicher zum Sammelschacht abfließt.
Vollsickerrohr oder Teilsickerrohr für die Hausdrainage?
Für die Ringdrainage am Haus ist das Teilsickerrohr richtig: Seine geschlossene Sohle sorgt dafür, dass das Wasser im Rohr zum Sammelschacht abfließt, statt gleich wieder zu versickern. Das rundum gelochte Vollsickerrohr eignet sich für die Flächendrainage, wo Wasser gleichmäßig aufgenommen wird. Üblich ist die Nennweite DN 100.
Warum ist ein Filtervlies bei der Drainage wichtig?
Das Filtervlies verhindert, dass feine Erde in die Kiesschicht und das Drainagerohr eingeschwemmt wird und das System verstopft. Ohne Vlies setzt sich die Drainage nach kurzer Zeit zu und verliert ihre Wirkung. Man sollte daher nie ohne Filtervlies verlegen.
Kann man eine Drainage selbst verlegen?
Für Heimwerker ist eine Gartendrainage machbar, die Drainage am Haus dagegen anspruchsvoll: Tiefer Aushub, exaktes Gefälle, richtige Ableitung und die Kombination mit der Abdichtung erfordern Erfahrung. Fehler zeigen sich erst spät und sind teuer – hier ist der Fachbetrieb sinnvoll.
Wohin wird das Drainagewasser abgeleitet?
In einen Sammelschacht und von dort in einen Sickerschacht, eine Versickerungsmulde oder eine Vorflut. Die Einleitung in den öffentlichen Schmutzwasserkanal ist in den meisten Gemeinden verboten und nur die genehmigte Ableitung in ein Gewässer erlaubt. Welche Lösung zulässig ist, hängt von Boden und örtlichen Vorschriften ab – im Zweifel wasserrechtlich klären.
Muss eine Drainage gewartet werden?
Ja. Über die Kontroll- und Spülschächte sollte das System alle paar Jahre kontrolliert und bei Bedarf durchgespült werden. In eisenreichen Böden droht Verockerung – rostbraune Ablagerungen, die das Rohr verstopfen. Ein sauberes Filtervlies und richtiges Gefälle verlängern die Wartungsintervalle.
Ersetzt eine Drainage die Kellerabdichtung?
Nein. Die Drainage reduziert nur den Wasserdruck auf die Kellerwand, die eigentliche Barriere bleibt die Abdichtung. Beide werden bei einer Sanierung meist gemeinsam ausgeführt, weil sie denselben Aushub erfordern.