Dachziegel – ein Ratgeber für Bauherren

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Geneigte Dächer werden zum Schutz vor Witterungseinflüssen meist mit Dachziegeln, Dachpfannen oder Dachsteinen eingedeckt. Aus Ton gebrannte Dachziegel wurden schon einige Jahrhunderte vor Christus in Handarbeit gefertigt, doch konnten sich nur hohe Würdenträger die Verwendung der in einem aufwändigen und langwierigen Herstellungsprozess hergestellten Ziegel leisten. Deswegen wurden bis ins Mittelalter hauptsächlich Dächer von Kirchen, Schlösser und Burgen mit Tonziegeln gedeckt, während bei privaten Häusern Dachbedeckungen aus Stroh oder Holzschindeln vorherrschten. Erst nach der Erfindung der Dampfmaschine konnten Dachziegel maschinell in großen Mengen hergestellt werden.

Verschiedene Arten von Dachziegeln

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Verschiedene Ziegel für das Dach

Während wir gemeinhin von Dachziegeln sprechen, unterscheidet der Fachmann zwischen Tonziegeln und Betonpfannen oder Dachsteinen. Auch wenn die maschinelle Produktion die Kosten und den Aufwand für die Produktion von Tonziegeln erheblich gesenkt wurden, erfolgt ihre Herstellung im Grunde immer noch nach dem gleichen Prinzip: Die Rohlinge werden aus einer Mischung aus Ton und Lehm hergestellt und bei sehr hohen Temperaturen gebrannt.

Tonziegel für Toscanahäuser

Die Farbe der Tonziegel wird durch die natürliche Zusammensetzung des Tons bestimmt. Bei naturroten Ziegeln ist es das im Ton enthaltene Eisenoxid, das für ihre leicht changierende Farbe verantwortlich ist. Diese Art von Dachziegeln ist für Toscanahäuser besonders beliebt.

Bei gedämpften Ziegeln wird die Bildung von Eisenoxid verhindert, als Ergebnis erhält man Färbungen in verschiedenen Grautönen. Bei der Herstellung von engobierten Ziegeln werden  Tonschlämme zugesetzt, die farbig ausbrennen und eine erdfarbene Färbung hervorbringen. Bei glasierten Ziegeln wurde die Oberfläche mit einem farblosen oder farbigen Überzug aus geschmolzenem Glas beschichtet, ihre harte und meist glänzende Oberfläche kann in jedem Farbton ausgebildet werden.

Betondachziegel in vielen verschiedenen Farben

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Graue Dachsteine vor der Eindeckung

Betondachziegel kamen nach dem Zweiten Weltkrieg auf, als der hohe Materialbedarf für den Wiederaufbau von Tonziegeln alleine nicht gedeckt werden konnte. In den 1960er Jahren, als es aufgrund der Umstellung in der Ziegelproduktion von Schweröl auf Gas zu Problemen mit der Frostsicherheit von Tonziegeln kam, steigerten sich die Produktionszahlen für Betonziegel.

Da als Ziegel nur Materialien bezeichnet werden, die aus tonhaltigem Lehm hergestellt werden, lautet die fachmännische Bezeichnung für Betonziegel: Betondachsteine. Die Verwendung von Pigmenten ermöglicht die Herstellung von Dachsteinen in einer großen Farbenvielfalt.

[box]Hersteller von Dachziegeln in Österreich:

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Bieberschwanz und Hohlpfannen

Tonziegel werden in verschiedenen Formen hergestellt. Der Biberschwanz, ein flacher Ziegel mit einer abgerundeten Unterkante, ist seit dem 14. Jahrhundert bekannt. Der Biberschwanz eignet sich auch zur Verlegung auf sehr steilen Dächern. Mit Biberschwanz-Ziegeln eingedeckte Dächer weisen eine Fischschuppenoptik auf. In Norddeutschland werden Dächer früher häufig mit Hohlpfannen eingedeckt, einer Tonziegelart mit einer Mulde. Hohlpfannen ohne Falz wurden auch als holländische Pfanne bezeichnet, sie sind heute so gut wie nicht mehr gebräuchlich. Strangfalzziegel werden aus einem endlosen Tonstrang auf Maß geschnitten.

Mönch und Nonne – ein Pressdachziegel

Bei Mönch und Nonne handelt es sich um zwei aufeinander abgestimmte Ziegel, die ineinander greifen. Diese Hohlziegelform entstammt dem römischen Kulturraum, der konvexe Mönch wird beim Eindecken jeweils von der konkaven Nonne Überdeckt. Ebenso wie der Romanische Ziegel und der Doppelmuldenfalzziegel handelt es sich bei Mönch und Nonne um Pressdachziegel, die mit Hilfe einer Ober- und einer Unterform gepresst werden. Man findet sie außer in Österreich auch häufig im mediterranen Raum, sie wurden gerne bei der Dacheindeckung repräsentativer Bauwerke und  Kirchen verwendet.

Dachsteine oder Tonziegel – eine Frage des Geschmacks

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Ein Dach wird gedeckt

Unter den Beton-Dachziegeln oder Dachsteinen ist die Frankfurter Pfanne wohl am bekanntesten. Sie ist mit zwei parallelen Aufwölbungen in Längsrichtung versehen und in vielen Farbvarianten erhältlich. Pro Quadratmeter Dachfläche benötigt man etwa zehn Pfannen. Zwei weitere Varianten von Dachsteinen aus Beton sind  die Taunuspfanne und die Harzer Pfanne.

Der Energieaufwand für die Herstellung von Betondachsteinen ist im Vergleich zu Tonziegeln wesentlich geringer, außerdem können sie komplett recycelt werden. Tonziegel haben ein geringeres Gewicht, trocknen schneller ab und wirken daher Moosbildung auf dem Dach entgegen. Im Übrigen ist es eine Frage des persönlichen Geschmacks, ob man sich eher für Tonziegel oder für Dachsteine entscheidet.